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AMPELN AUF AUGENHÖHE
Paul Niedermayer
05.2021

Ich gehe auch bei Rot über die Straße. Gelegentlich verstehe ich mich als jaywalker.
Auf vielbefahrenen Straßen mache ich von grünen Ampelphasen gebrauch.
Kündigt Gelb den Übergang von einer Phase in die andere an, dann fühle ich mich gemeint.

Die erste Verkehrsampel wurde mit roten und grünen Gaslichtern betrieben.
Bei Rot darfst du gehen, bei Grün bleibst du stehen. Da die Ampel nach kurzer Zeit explodierte, wurde sie wieder abgeschafft.

Heute fühle ich mich wieder wie eine Zahl. Während ich in Warteschleifen hänge, scrolle ich durch das Leitbild der Berliner Verwaltung:

Der Verwaltung passt ihr Angebot der wachsenden, sich stetig wandelnden, dynamischen Stadt an und versteht sich als deren Dienstleisterin. Sie bezieht die Bedürfnisse und Lebenslagen der Mensch in der Stadt ein. Sie hört ihnen zu, ist offen für ihre Anliegen und reagiert situationsgerecht. Ein barrierefreier Zugang zu den Leistungen der Verwaltung ist die Voraussetzung für Teilhabe. Barrieren stellen sich je nach Zielgruppe unterschiedlich dar. Die Beschäftigten der Berliner Verwaltung erkennen vorhandene Zugangshindernisse und wirken aktiv darauf hin, diese abzubauen.

Zur Sicherung der Servicequalität können einzelne Gespräche mitgeschnitten werden. Lassen Sie uns ganz offen sprechen, so von Hinterzimmer zu Hinterzimmer.

In den beiden Serien Ampeln auf Augenhöhe und Back End bezieht sich Paul Niedermayer spielerisch auf die Ideen einer dokumentarisch-objektiven Fotografie:
In betont subjektiven, intimen Ansichten von Lichtsignalanlagen wird das Verhältnis von Individuum zu gesellschaftlichen Ordnungssystemen beleuchtet. Aus überraschenden Perspektiven und in atmosphärisches Licht getaucht, erscheinen die anonyme Gestaltung des Apparates und seine Funktion zart und bestechlich.
Die fortlaufende Serie Back End zeigt Detailaufnahmen aus den Büros von Gleichstellungsbeauftragten unterschiedlicher Institutionen in Berlin. Geschickte Inszenierungen von Bildelementen ( z.B. von Textfragmenten auf Schlüsselbändern) funktionieren wie codierte Verweise auf unsichtbare Kontexte und erweitern so das Bilddokument um mögliche Lesarten.

Zwischen Ampeln auf Augenhöhe und Back End entsteht ein Dialog über gesellschaftliche Handlungsräume, künstlerische Strategien und deren ästhetische und politische Dimensionen.

Text von Michel Wagenschütz

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Ampeln auf Augenhöhe (1), 2021
Archival Pigment Print 
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (2), 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (3), 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (4) - Rollender Burnout, 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (5), 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (6), 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (7) - Sunset, 2021
Archival Pigment Print
90cm x 60cm

Ampeln auf Augenhöhe (8) - Pending, 2021,
Archival Pigment Print
90cm x 60cm


BACK - END (1), 2021
Komplex III, Haus 1, Zimmer 142
Archival Pigment Print
60cm x 40cm

BACK - END (2), 2021
Bezirksamt Tempelhof - Schöneberg, Raum 124,
Archival Pigment Print
60cm x 40cm

BACK - END (3), 2020
Ein - Raum 104A
Archival Pigment Print
60cm x 40cm

BACK - END (4), 2020
HA 33, Raum 122b
Archival Pigment Print
60cm x 40cm