FOLLEY
Erster Zyklus, Erster Akt
04.-07.2017
Nettersheim i.d. Eifel, 2017



Herstellung eigenwilliger Assoziationen, ein Zustand zwischen erkennen und erinnern. In der Geschichte der europäischen Gartenkunst entsteht Mitte des 18. Jahrhunderts eine merkwürdige architektonische Typologie - der FOLLEY. Er kann als Zierbau beschrieben werden und dient keiner zweckrationalen Funktion; vielmehr markiert er besondere Orte innerhalb eines pittoresken Gartens und bedient Motive aus vergangenen Epochen. Für die höfische Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts, diente die Orangerie auch als Rückzugsort, die Wände hatten hier keine Ohren. Es ist ein Raum für das Unerhörte, das Erzählen von Geschichten und Erlebnissen:

"Wuchtig und pfeilgerade stehen die mammut- artigen Zypressen im Spalier. Bestimmt ein Dutzend davon be ndet sich auf dem Gelände um die Orangerie, welches sich steil den Hang hinaufzieht. Eine schmale Straße legt sich in Serpentinen auf den Berg und gliedert so den Ort - ein Gewerbeareal mit insgesamt sieben langgestreckten Hallen am Rande einer kleinen Ortschaft. Strukturwandel: Was ehemals Ausstellungs- äche für ein Gärtnereibetrieb war, liegt nun als vergessener Garten vor uns. Überwucherte Töpfe, ein Wasserbecken, eine Giebelwand aus Metall. Am Eingang der Halle, die früher mal ein Supermarkt war, hängt noch ein ausgeblichenes Plakat und wirbt für Hundetraining. Davor eine Reihe Löcher im Asphalt, eigenartige Konstruktionen, deren Sinn zeitgleich mit dem Ende der Nutzung verloren gegegangen sein muss. Spurenlesen. Restposten eines Baumarktes und Rollläden, das scheint noch gut zu laufen und davon lebt Herr L., der beinahe ganz allein in einer dieser Hallen sitzt. Wir kommmen um Material zu besorgen; er fragt, was wir denn vorhätten - in seinen Augen geben sich Irritation und Interesse die Hand."


Die Arbeit FOLLEY unterteilt sich in mehrere Zyklen, die jeweils aus mindestens zwei Akten bestehen. Mit jedem Ort entsteht ein neuer Zyklus, jeder Auf- oder Abbau beschreibt einen Akt. Als Zwischenform wird der FOLLEY mit Hilfe modifizierter Transportgestelle gelagert. Diese sind nach dem Abbau zusammen mit der Dokumentation stilles Zeugnis der Installation am jeweiligen Ort. Der ephemere Charakter der Arbeit wird unterstrichen indem sich das Material immer weiter verfremdet, mit anderen Materialien verbindet und zwangsläufig verbraucht.
In einer performativen Aktion wurde der Folley im Juli 2017 abgebaut.




Polyester, Holz, Beton, Stoff, Metall
330 x 210 x 280 cm