ORT & GEBRAUCH 
14.07 - 28.08.2018
Förderverein Aktuelle Kunst e.V. Münster




Wie auch die anderen Ausstellungen der insgesamt vierteiligen Reihe des Jahresprogramms „Arbeitstitel: Selbstbefragung“, beschäftigt sich „ORT & GEBRAUCH“ mit der Thematik des Ausstellungsortes. Die Installation verknüpft den Ausstellungsraum im Casino einer ehemaligen Kasernenanlage mit dem globalen Geschehen, also historische Substanz mit gegenwärtigen Prozessen - dem Ich, Du und Wir.


MEIN PLATZ AN DER SONNE

5 Fensterbänke, poliert, in Laibungen eingepasst, sandgestrahlter Schriftzug „Mein Platz an der Sonne“
je ca. 120 x 23,5 x 2 cm
Naturstein

MEIN - Azul Imperial (Brasilien)
PLATZ - Estremoz (Portugal)
AN - Azul Aran (Spanien)
DER - New Imperial Red (Indien)
SONNE - Portoro Domingo (Dom. Republik)




Die ursprünglich benannte „13er-Kaserne“ war eine von mehr als 30 Kasernen in der ehemals bedeutenden Garnisonstadt Münster und erhielt ihren Namen aufgrund der ihr zugesprochenen Benutzer, dem 13. Infanterie Regiment. 1901 lagen bereits erste Planungen für das Areal westlich der Grevener Strasse vor. Der deutsche Zeitgeist war unter Führung Kaiser Wilhelms II. stark von preussischer Militarisierung und dem Imperialismus geprägt, das Weltmacht-Bestreben und die Expansionspolitik umschrieb 1897 Bernhard von Bülow mit den Worten: „(...) wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.“ Als geflügeltes Wort erhielt diese Formulierung im Laufe der Zeit Einzug in den deutschen Sprachgebrauch.

An den Fenstern eines ehemaligen Aufenthaltsraumes im Offizierskasino bilden 5 schmale Platten aus Marmor und Granit Fensterbänke aus. Auf jeder ist ein Wort der Inschrift zu lesen: „Mein Platz an der Sonne“. Die Herstellung einer passgenauen ortsspezifischen Installation verdeutlicht die Relevanz des räumlichen Kontextes als Baustein der künstlerischen Praxis. Im Morgenlicht erfüllt sich das Versprechen und die Quarz Einschlüsse des Steins fangen an zu funkeln.Die „Sonne“ wird als Symbol abgebildet, also als ein Kreis mit Strahlen - stellvertretend für die Befriedigung unserer Verlangen, für das immaterielle Gold.

HASS

Avocado,
20-fache Vergrösserung, 
ca. 180 x 80 x 70 cm
Styropor, bemalt

Obstkisten
HDF, Bronzeguss
2 Lautsprecher („Seufzen“)




Die Avocado repräsentiert im Rahmen der Ausstellung den Aspekt des Gebrauchs, verweist auf den Konsum und den Handel, dessen Strukturen sich seit Beginn der kolonialen Bestrebungen Europas wenig verändert haben. Die Arbeit ist auf vielerlei Arten lesbar: Sie repräsentiert nicht nur ein Produkt, sondern ist als Objekt gleichzeitig selbst Ware. Aufs einfachste gefügt, setzt sich die geometrische Abstraktion zweier Avocado-Hälften aus einfachstem Material zusammen, ergänzt durch das in Bronze gegossene Mittel zur Verpackung und Transport.

KULTURLANDSCHAFT (ASSEMBLAGE)

Pigmentdruck auf PE-Papier,
Triptychon
je 110 x 190 cm
3 Clubstühle, 1 Fernglas



ORT & GEBRAUCH

Edition, 5 Unikate
59 x 42 cm
Pigmentdruck auf Baumwollpapier, Aquarellfarbe